Kaninchenzucht in Corona-Zeiten

Kaninchen im Gras

Corona-Zeit heisst auch, sich intensiver mit seinen Tieren zu befassen, wie beispielsweise mit dieser gemischten Gruppe Holländer.

Alwin Seiz

Das sollte man beachten
Glücklich, wer während der Corona-Krise ein Hobby wie die Kaninchenzucht hat. Der Umgang mit den Tieren lässt bestimmt keine Langeweile aufkommen. Doch auch Kaninchenzüchter kämpfen momentan mit Problemen.

Es ist kein Geheimnis, dass ihr Durchschnittsalter die Schweizer Kaninchenzüchter zu einer Corona-Risikogruppe macht: Sehr viele Züchter sind über 65 Jahre alt und gehören deshalb zu jenen Personen, die besonders gefährdet sind durch das Virus, das die ganze Welt in Atem hält. Wenn man der Situation eine gute Seite abgewinnen will, dann vielleicht die: Jeder Züchter hat nun genügend Zeit, seinem Hobby, der Kleintierzucht, zu frönen. Und das in der schönsten Zeit der Zucht, wenn die Nester voll sind mit Jungtieren. Es sind Stunden, welche die Züchter mit oder für ihre Tiere nutzen können. 

Da gibt es zum Beispiel Ställe, die man schon längst einmal aufrüsten wollte, oder etwa Lagerräume, die endlich auf Vordermann gebracht werden sollten – das alles lässt keine Langeweile aufkommen. Kleintierzucht ist ein Hobby, um das die Züchter gerade in der jetzigen Zeit von vielen beneidet werden, die wegen der Pandemie keine Möglichkeit haben, ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. 

Selbstverständlich ist nicht alles Gold, was glänzt. So fehlt auch Kaninchenzüchtern mit Sicherheit der Kontakt mit anderen Gleichgesinnten. Züchterbesuche, Höcks und Treffpunkte aller Art fallen aus. Vergleiche mit anderen Züchtern sind nicht möglich. Dafür hat man nun die Möglichkeit, am Telefon seine wunderbaren Würfe anzupreisen – oder beim Jammern etwas dick aufzutragen, es sieht ja keiner in seinen Stall.

Frühling: Zeit der Jungtiere

Es gibt aber noch andere Geschichten und Schwierigkeiten. Züchter, die im grenznahen Raum Tiere für die Zucht getauscht haben, können die Rammler oder Zibben nicht mehr ein- oder ausführen. Die Grenzen sind geschlossen. Zuchtpläne fallen ins Wasser. Züchter mit einem höheren Gesundheitsrisiko, die ihre Tiere nicht zu Hause haben, brauchen eine Lösung. In Kleintieranlagen findet man bestimmt einen Ausweg, aber ist es auch immer ein befriedigender? 

Quarantäne für Heimkehrer
Viele Vereine haben für dieses Jahr eine Jungtierschau im Programm. Die Vorgaben des Bundesrates werden bestimmen, was erlaubt ist und was nicht. Es ist davon auszugehen, dass grössere Ansammlungen von Personen bis auf Weiteres untersagt bleiben. So sieht es für Jungtierausstellungen, Versammlungen in den Monaten Mai und Juni eher schlecht aus. Ein herber Rückschlag für Vereine, Klubs und Dachverband. Auch die Schweizerischen Delegiertenversammlungen des Dachverbandes und der vier Fachverbände mussten abgesagt werden. 

Es ist müssig, darüber zu diskutieren, ob diese Massnahmen richtig oder falsch sind. Gemäss Wissenschaftlern können wir frühestens in einem Jahr feststellen, ob alles richtig war. Hinterher ist man immer schlauer, das ist klar. Und in den Debatten dannzumal wird es vielerorts heissen: «Ich hab’s ja immer gewusst und gesagt.» In einem grösseren Spital ist ein grosses Plakat aufgehängt mit einem Zitat, das uns allen zu denken geben sollte: «Gesundheit ist nicht alles – aber ohne Gesundheit ist alles nichts.»

Die Zeit, die wir jetzt mit dem Coronavirus durchmachen, ist die beste Gelegenheit, einmal unser Tun unter die Lupe zu nehmen. Schenken wir Menschen unseren Tieren die notwendige Sorgfalt? Wie gehen wir mit den gesundheitlichen Risiken unserer Tiere um? Was so ein Virus anrichten kann, hat sich ganz bestimmt kaum einer vorgestellt. Epidemien sind uns eher ein Begriff (sie sind örtlich oder zeitlich begrenzt), Pandemien weniger (sie sind länder- und kontinentenübergreifend). Da muss der Mensch sich schon fragen, wie fahrlässig er teilweise mit seinen Tieren umgeht. 

«Die Zeit, die wir jetzt mit dem Coronavirus durchmachen, ist die beste Gelegenheit, einmal unser Tun unter die Lupe zu nehmen.»

Im Wissen, dass Kaninchen im Ausland doch sehr spartanisch gehalten werden, muss dies auch Schweizer Züchtern zu denken geben. So muss man wissen, dass die Ausstellungskäfige im Ausland nach drei Seiten offen sind. Eine Zibbe zwischen drei Rammlern kommt in der Regel vollgespritzt wieder nach Hause. Der Kontakt mit wildfremden Tieren ist gegeben. Und dann gibt es Züchter, die diese Tiere drei bis vier Tage später in der Schweiz ausstellen. Ein absolutes Unding und eine Verantwortungslosigkeit gegenüber anderen Züchtern! 

Impfungen, wie sie bei uns durchgeführt werden, sind sicher sinnvoll, schützen aber nicht vor resistenten Viren und Bakterien. Es soll mit Sicherheit nicht verboten werden im Ausland an Ausstellungen teilzunehmen: Aber nach den Ausstellungen sollten diese Tiere zum Schutz aller in Quarantäne, für mindestens drei Wochen. Diese Forderung vieler Züchter sollte man als Lehre aus dem Coronavirus noch einmal diskutieren. Es ist ein Thema, das sich viele Züchter an der
Präsidenten- und Obmännerkonferenz wünschen. Quarantäne: Da werden sich wie immer einige melden und erklären, warum das gerade nicht geht. Doch es wäre schön, wenn man gerade dieses Problem für einmal umgekehrt angeht: Was kann man tun, um dieses Problem zu lösen.

Gesundheit kommt vor Schönheit
Was für weitere Massnahmen werden aus dieser Krise folgen? Noch denkt kaum einer an die bevorstehenden Ausstellungen in der Schweiz, die mit der Rammlerschau Thun einen würdigen Höhepunkt haben sollen. Tun wir genug für unsere Tiere? Wir machen zwar einiges für das Wohl der Kaninchen, aber was tun wir für die Hygiene? Reicht das Impfen gegen VHK allein? Garantiert nicht und allein mit der Desinfektion ist es so eine Sache. Denn um eine gute Desinfektion des Ausstellungsparks zu erreichen, müsste der gesamte Park nach jeder Ausstellung mit Dampfhochdruck gereinigt werden, was sehr selten oder gar nicht gemacht wird. Desinfektionsmittel über den alten Dreck zu spritzen, nützt absolut nichts. Aus der Sterilisation der Spitäler ist bekannt, dass alle gebrauchten Instrumente zuerst gründlich gewaschen werden müssen, sonst kann man sich die Sterilisation gleich sparen.

«Gesunde Kaninchen mit einem intakten Immunsystem sind weit weniger anfällig auf Veränderungen.»

So muss man sich nicht wundern, wenn manchmal ganze Bestände von Tieren nach Ausstellungen krank sind – wobei man nicht immer die Ursache bei den Käfigen, der Fütterung oder dem Klima suchen sollte. Gesunde Kaninchen mit einem intakten Immunsystem sind weit weniger anfällig auf Veränderungen. Bei Mensch und Tier spielt das Immunsystem eine entscheidende Grundlage, was das Coronavirus derzeit deutlich beweist.

Für Kaninchenzüchter heisst das: Züchten nur mit gesunden und resistenten Kaninchen, Anlage sauber, aber nicht steril halten, natürliche Abwehrkräfte fördern und bei der Zucht Inzucht ausschliessen. Gerade punkto Inzucht befinden sich diverse Rassen auf einem sehr schmalen Grat. Vor allem bei Rassen mit nur wenigen Züchtern, auch bei neuen Rassen, ist die Inzucht verbunden mit gesundheitlichen Problemen beinahe programmiert. Vielleicht müssen auch Kaninchenzüchter wieder lernen: Gesundheit vor Schönheit.

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