Ungetrübter Spass im Naturpool

Bio-Badi
In den herkömmlichen Schwimmbecken in der Badi sorgt Chlor für sauberes Wasser – in der Bio-Badi hingegen sind Mikroorganismen dafür zuständig.

Sonne satt. Sonnencreme-Duft in der Luft. Sportliche Schwimmer. In der Badi Geiselweid in Winterthur ZH ist an diesem Mittwochnachmittag viel los. An einem schönen Sommertag tummeln sich in der rund 12’000 Quadratmeter grossen Aussenanlage bis zu 3000 Besucher pro Tag. Zum Angebot zählen ein 50-Meter-Olympiabecken mit zehn Bahnen, Strömungsanlage, Kinderplantschbecken, Sprungturm und Rutschbahn. Wer abseits des Trubels Entspannung sucht, wird im hinteren Teil der Badi fündig. Hier lockt seit 2008 der grösste Naturpool der Schweiz, der rund 785 Quadratmeter gross und 2,1 Meter tief ist. 

«Wir hatten bis vor zwei Jahren mit starker Algenbildung zu kämpfen», erklärt Betriebsleiter Philipp Buchelt vom Sportamt der Stadt Winterthur. «Es wuchs ein grosser und dichter Algenteppich. Zudem waren die Wände und Treppen, die in den Pool führen, überwuchert. Das war sehr rutschig und gefährlich für die Besucher.» Nun haben Buchelt und sein Team das Problem in den Griff bekommen. Der Blick in den Naturpool der Badi Geiselweid zeigt: Das Badewasser ist sehr klar – und das ohne Einsatz von chemischen oder desinfizierenden Substanzen wie Chlor oder Schwefelsäure, die in den normalen Badi-Schwimmbecken verwendet werden. 

Naturpool im Migros-Sportzentrum Milandia in Greifensee ZH

Mikroorganismen reinigen
Die Wasserreinigung in einem Naturpool orientiert sich daran, wie sich das Wasser in einem Oberlauf eines Flusses oder Bergbaches säubert. In der Natur sorgt ein Biofilm, ein schleimiger Belag aus Organismen, für die Minimierung von Mikroben. Der natürliche Pool ist im Prinzip ein Fliessgewässer, bei dem eine Pumpe den gesamten Inhalt mehrmals täglich durch eine Filterfläche aus speziellem Sand und Phosphatfilter drückt. Solange die Pumpe läuft, übernehmen Mikroorganismen die Reinigung, die sich als Biofilm auf sämtlichen Substratkörnchen niederlassen und Nährstoffe, Schwebstoffe und vor allem die Algennahrung Phosphat aus der Strömung fischen und abbauen.

Das Naturbad Riehen BS wurde von den Stararchitekten Herzog & de Meuron entworfen

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Im Geiselweid fliesst das Badewasser zudem noch durch spezielle Siebe, die festes Material wie Blätter auffangen. Laufend wird dem Naturpool frisches Wasser zugeführt, «jeder Badende trägt durch seine nasse Badehose oder am Körper Badewasser aus dem Becken. Zudem läuft immer mal Wasser in die Überlaufrinne, wenn jemand hier hineinspringt», erklärt der Betriebsleiter. Weil das Badewasser ohne Chemie auskommt, schwimmen darin Molche und es kommen Enten zu Besuch.

Tauchroboter im Einsatz
Zwar braucht es keine Chemie, um einen Naturpool zu pflegen, aber der Unterhalt sei im Vergleich zu einem herkömmlichen Schwimmbecken nicht günstiger, sagt Buchelt. «Der Pflegeaufwand ist höher. Es braucht mehr Mitarbeiter, die sich um den Naturpool kümmern.» Täglich sind zwei Maschinen im Einsatz: Eine Tauchroboter, der am Boden die Algen abschrubbt und aufsaugt, zudem werden die Beckenwände maschinell vom Grünzeug entfernt. Zudem sei das für den Phosphatfilter verwendete Phoslamin teurer als das Chlor im normalen Schwimmbecken. Zusätzlich verbrauchen fünf Wasserpumpen permanent Strom. «Der Naturpool wird vor allem auch von den Gästen geliebt, die Chlorwasser nicht vertragen», sagt Buchelt, «unser Naturpool ist wie ein natürlicher See mitten in der Stadt Winterthur. Das schätzen die Besucher sehr.»

In der Schweiz gibt es zahlreiche reine Bio-Badis, die das Wasser natürlich reinigen: so in Biberstein AG, Riehen BS oder Breitenbach SO. Das Freibad in Beringen SH ist ebenfalls eine Bio-Badi. 2013 / 14 wurde das konventionelle Chlorbad umgebaut. «Die Akzeptanz für das Bad ist immer noch nicht in der breiten Bevölkerung gegeben», erklärt der Gemeindepräsident Hansruedi Schuler. Alteingesessene Badegäste kämen teilweise nicht mehr, dafür viele neue. «Das Biowassser ist sehr angenehm zum Baden», sagt Schuler. Auch aus ökologischen Gründen habe man das Bad damals umgebaut: «Wir brauchen keine Chemie mehr für die Wasseraufbereitung.» Tendenziell seien die Betriebs- und Unterhaltskosten für eine Bio-Badi höher als für ein herkömmliches Schwimmbad. «Denn die Pflege ist personalintensiv», bilanziert Schuler.

Eine Liste von weiteren Naturbädern in der Schweiz finden sie hier.

Naturbad Breitenbach SO

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Autor

Luc Müller

Luc Müller

Luc Müller ist «Tierwelt»-Redaktor und kümmert sich neben den Kaninchen um das breite Feld «Natur & Umwelt», wobei er je nach Thema zur Wühlmaus, zum Trüffelschwein oder Sperber mutiert. Auch zu Hause geht es tierisch zu und her, wo die getigerte Hauskatze mit ihrem ganz eigenen Willen für viel Unterhaltung sorgt. Zum Abschalten auf dem Nachhauseweg an den Zürichsee hört der Schreibende gerne Jazz ­– am liebsten natürlich das Stück «Bird of Paradise» von Album «Ornithology».

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