Dachsgeschichten

Leserkolumne
Über mehrere Jahre beobachtete «Tierwelt»-Leser Hans Althaus aus Zofingen AG in nächster Nähe seines Gartens eine Dachsfamilie. Von seinen Erlebnissen berichtet er hier.

Ein Wespenvolk hatte sich vor einigen Jahren in unserem Garten am Waldrand in einem Mausloch eingenistet und uns gelegentlich beim Essen im Freien gestört, bis eines Tages dort ein grösseres Loch und Reste von Brutwaben von einer nächtlichen Dachsmahlzeit zeugten. Als am Waldrand kleine Gruben mit Kotspuren auftauchten, begann ich mit der Suche nach einem Dachsbau. Keine 100 Meter ob unserem Garten fand ich ihn: Eine vom Sturm gefällte Buche hinterliess einen Wurzelstock, unter dem der Dachs seinen Bau aushob, nahe an einem viel begangenen Waldweg. Meine Infrarotkamerafotos zeigten eine Familie mit drei Jungen.

Im folgenden Winter entdeckte ich einen zweiten Bau, 400 Meter entfernt, direkt unterhalb eines Waldweges und nur 100 Meter oberhalb einer viel befahrenen Strasse. Dort fühlen sich die Tiere offensichtlich wohl. In der Zwischenzeit haben sie dort jedes Jahr Junge zur Welt gebracht und weitere Ausgänge gegraben. Mein Beobachtungsplatz zehn Meter vor dem Bau störte die Tiere kaum, und so kam es zu interessanten Beobachtungen: Dass Dachse reinliche Tiere sind und sich ausgiebig putzen, bevor sie sich auf die Nahrungssuche begeben, oder dass sie dürre Grashalme als Schlafplatz nutzen und dieses Nest an heissen Sommertagen an die Sonne zum Auslüften und Trocknen bringen (siehe Video oben). Meist wurden drei oder vier Jungtiere aufgezogen.

Mein schönstes Erlebnis war im Juni 2018: Als ich meine Fotoausrüstung zusammengepackt hatte und gehen wollte, kam eines der Alttiere mit drei Jungen zurück. Sie ruhten vor dem Bau, zwei weitere gesellten sich dazu, ein siebtes Tier befand sich am Hang weiter unten. Ich stand unbeweglich da, vor mir ein Gewusel von Dachsen! Irgendwann bekam eines der Tiere Wind von mir, und der ganze Spuk verschwand im Bau.

Als ich mich im August 2019 am Bau niederlassen wollte, vernahm ich eine Stimme, die zu mir sprach. Ich entdeckte einen Hochsitz vor dem Bau mit einem Jäger darauf. Ich räumte meinen Platz und ging davon aus, dass das eine oder andere Tier erlegt wurde. Seither sind die Dachse viel scheuer und verlassen ihren Bau erst in der Dämmerung. Doch auch dieses Jahr haben sie Jungtiere, das beweisen Infrarotaufnahmen einer nächtlichen Paarung vom Februar.

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