Blutsauger im Hühnerstall

Hühnerstall mit Vogelmilben
Rote Vogelmilbe
Sie vermehren sich explosionsartig, saugen Blut und führen bis zum Tod der Hühner. Rote Vogelmilben werden erst spät entdeckt, wenn es beim Hühnerbesitzer auf den Händen krabbelt. Wer jetzt mit der Stallkontrolle beginnt, kann vorbeugend wirken.

Bei feuchtwarmem Wetter hat die Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae) Hochkonjunktur im Hühnerstall. Die Parasiten vermehren sich dann so stark, dass die Hühner nachts sogar tot von der Sitzstange fallen, wenn die Rote Vogelmilbe zu Tausenden über die Füsse auf den Hühnerkörper krabbelt und dort Blut saugt. 

Tagsüber sind die lästigen Tiere nicht auf den Hühnern zu finden. Sie verstecken sich unter der Sitzstange oder in jeder noch so kleinen Ritze in der Nähe der Schlafstätte der Hühner. Bei einem starken Befall sind graue Häufchen zu entdecken, die wie Asche aussehen, sich aber bei genauem Hinschauen bewegen. Erst mit dem Eindunkeln kriechen die Elterntiere aus den Ritzen über die Hühnerbeine auf die Haut. Eine Kontrolle nach dem Eindunkeln zeigt oft ein anderes Bild als am Tag. Greift man nach den Hühnern und es krabbelt auf den Händen, dann ist die Rote Vogelmilbe im Stall bereits aktiv. 

Die Rote Vogelmilbe ist ungefähr einen Millimeter gross, vor dem Fressen grau und danach rot gefärbt. Die Spinnentiere haben eine Entwicklungszeit von sieben bis zehn Tagen bei einer Temperatur von 20 Grad. Bei tieferen Temperaturen entwickelt sich der Nachwuchs etwas langsamer. Die Eier und Larven brauchen noch kein Blut. Die erwachsenen Milben überleben mindestens neun Monate ohne Blutmahlzeit bei Temperaturen von minus 20 bis 45 Grad. Sind die Milben im «Blutrausch», legen sie bereits zwölf Stunden nach einer Mahlzeit die ersten Eier, und dies über die nächsten fünf bis acht Wochen. 

Entdeckt man die Tiere im Stall nicht, gibt es andere Zeichen, die auf die Rote Vogelmilbe hinweisen. So nimmt etwa die Legeleistung ab, die Hühnerherde ist unruhig und will im schlimmsten Fall abends nicht mehr in den Stall und auf die Sitzstangen, weil sie sich von den krabbelnden Tieren so stark belästigt fühlen. 

Rote Vogelmilbe

Bekämpfung mit natürlichen Mitteln
Für Geflügelhalter beginnt jedes Jahr ein neuer Kampf gegen die Rote Vogelmilbe, die sich auch in den saubersten und besten Hühnerzuchten bereits eingesnistet hat. Vielfach sind Wildvögel wie Spatzen Träger der Roten Vogelmilbe. Deshalb empfiehlt es sich, strikt im Stall zu füttern, um das Einschleppen ungewollter Gäste zu vermeiden. 

Für die Bekämpfung der Roten Vogelmilbe gibt es zahlreiche Produkte, die in drei Bekämpfungsvarianten unterteilt werden können: die biologischen Raubmilben, die biophysikalischen Silikat-Pulver und die
chemischen Akarizide.

Die natürlichste Bestandeskontrolle der Roten Vogelmilbe erfolgt mit deren natürlichem Feind, der Raubmilbe. Sie macht den Hühnern nichts und fühlt sich im Stall wohl, solange es Rote Vogelmilben hat. Raubmilben sind sehr klein und von blossem Auge kaum erkennbar. Sie fressen alle Stadien der Roten Vogelmilbe. Vom Klima her fühlen sich Raubmilben in einem trockenen Hühnerstall wohl, und sie ertragen auch kühle Temperaturen im Winter.

Wie sie im Stall ausgebracht werden, hängt mit der Art der Staubmilbe zusammen. Für die Ausbringung gibt es eigens dafür konzipierte Vorrichtungen, die im Stall in der Nähe der Sitzstange montiert werden können. Dadurch können die Raubmilben direkt am Tatort der Roten Vogelmilben aktiv werden. Hat es zu wenig davon, fehlt es den Raubmilben an Futter, und sie müssen wieder mit neuen Raubmilben ersetzt werden. Deshalb gibt es dieses Produkt auch im Abonnement mit regelmässigen Lieferungen zu kaufen – beispielsweise bei der Firma Andermatt BioVet.

Eine andere biologische Bekämpfungsvariante ist jene mit flüssigen Aromastoffen. Die aus pflanzlichen Extrakten bestehenden Produkte werden den Hühnern über das Trinkwasser verabreicht. Dadurch wird das Blut der Hühner für die Rote Vogelmilbe ungeniessbar. Die Parasiten verlieren den Appetit, befallen die Hühner weniger und verhungern schliesslich zu einem Grossteil. 

Ist eine Hühnerstallung von den Milben befallen, genügt auch eine nasse Stallreinigung und Desinfektion oft zu wenig. In der wirtschaftlich orientierten Geflügelzucht wird eine Stallung nur bei einem Tierwechsel gereinigt, zwischendurch nicht. Deshalb wird mit effektiven Silikat-Pulvern eine Vorbeugemassnahme getroffen. Die kristallenen Kieselgurteilchen verletzen mit ihren spitzen Teilen die Haut der Roten Vogelmilbe und diese lässt sich dadurch austrocknen. Die Ausbringung wirkt dabei bei einem Befall sehr schnell. Allerdings wird das Mittel nicht auf den Tieren direkt gestreut, sondern in der Stallung. Ein oft benutztes Produkt heisst Indispron D110, stammt von der Firma Halag und kann in der Landi bestellt werden. 

Chemiekeule gegen Blutsauger
Das kann auch vorbeugend gemacht werden, wobei sich die flüssige Variante sehr gut eignet. Von der Konsistenz her ist sie wie eine weisse Farbe, die mit dem Pinsel im Bereich des Kotbretts und der Sitzstange ausgebracht wird. Damit die Hühnerfüsse geschont werden, sollte die Farbe nicht auf den Laufflächen der Hühner, sondern an den Wänden und unterhalb der Sitzstange angebracht werden. Die weisse Farbe bleibt bestehen und wirkt nicht sehr ästhetisch in einem Hühnerhaus aus Holz, dafür ist die Wirkung sehr gut. Erfahrene Hobbyhalter haben mit diesen biophysikalischen Silikaten sehr gute Erfahrungen gemacht. Im Handel gibt es Produkte in Packgrössen von einem Kilogramm und mehr. Die Beschaffungskosten von gegen 30 Franken für die kleinste Dosierung sind vergleichbar mit jenen der biologischen Produkte. 

Die dritte Bekämpfungsmethode gegen die Rote Vogelmilbe ist die Anwendung von chemischen Akariziden, welche die Milben durch direktes Besprühen oder durch Verabreichung über die Hühner töten. Die Produktepalette ist dabei sehr vielfältig. Ein neues Produkt, das als sehr wirksam gilt und erst seit Kurzem auf dem Markt ist, beinhaltet den Wirkstoff Fluralaner. Das rezeptpflichtige Produkt Exzolt wird über das Trinkwasser verabreicht. Es braucht lediglich 0,05 Milliliter pro Kilogramm Lebendgewicht der Hühner und wird im Abstand von sieben Tagen ein zweites Mal angewendet. Für die gelegten Hühnereier besteht keine Absetzfrist, für Schlachttiere eine solche von 14 Tagen. 

Das mit Wasser gemischte Produkt wirkt in einem befallenen Stall sehr schnell, innerhalb von wenigen Tagen lässt das Krabbeln auf den Händen des Hühnerbesitzers nach, und es kehrt für ungefähr ein Jahr Ruhe ein im Hühnerstall.

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