Unbeirrbare Grasfresser

Katze frisst Gras
Katzen
Die meisten Katzen fressen Gras – und erbrechen es wieder. Forscher vermuten hinter dem Verhalten ein evolutionäres Relikt.

Katzen fressen Grünzeug – und geben es wenig später wieder von sich. Warum sie das tun, ist bis heute ungeklärt. Vermutungen gibt es aber – dank einem Forschungsteam um Benjamin Hart von der Universität von Kalifornien, welches mehr als 1000 Katzenbesitzer befragte. Gemäss den im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichten Erkenntnissen ist der Verzehr von Pflanzen ein sehr häufiges Verhalten: 71 Prozent der Tiere wurden in ihrem Leben mindestens sechs Mal dabei ertappt, wie sie Grünzeug verschlangen. Nur elf Prozent verschmähten dieses konsequent. 

Entgegen der weitverbreiteten Annahme, wonach Katzen gezielt Gras fressen, um sich übergeben zu können, weil es ihnen zuvor übel ist, gaben 91 Prozent der Befragten an, dass ihr Büsi vor dem Konsum munter und zufrieden gewirkt habe. Die Forscher vermuten denn auch, dass das Erbrechen nicht das Ziel, sondern ein Nebenprodukt des Pflanzenverzehrs darstellt. Gemäss ihrer auf Forschungen an Schimpansen und anderen Wildtieren basierenden Theorie geschieht der Verzehr von Pflanzen instinktiv und hat einen evolutionären Nutzen. 

Katzenpflanzen auch aus Samen ziehen
Konkret führt das Gras zu einer erhöhten Muskelaktivität im Verdauungstrakt, wobei Darmparasiten einfacher ausgeschieden werden können. Und dies, obwohl die heutigen Büsi diese Parasiten wahrscheinlich gar nicht mehr haben. Die Katzen selber scheinen von der evolutionären Veränderung allerdings nichts mitbekommen zu haben – und knabbern weiterhin munter an Gras und anderem Grünzeug. Ob Pflanzenfressen dabei hilft, Haarballen auszuscheiden, wurde übrigens in der erwähnten Studie nicht untersucht. 

Für Katzen-Halter, welche ihren Lieblingen grünes Knabberzeug zur Verfügung stellen möchten, haben wir nachfolgend ein paar beliebte Katzen-Gräser und -Kräuter inklusive Tipps zusammengestellt. Wichtig ist, dass beim Kauf der Pflanzen darauf geachtet wird, dass weder Boden noch Pflanze mit giftigen Substanzen (Pflanzenschutzmittel, Dünger) behandelt worden sind. Geeignete Futterpflanzen sind im Fachhandel als solche gekennzeichnet. Alternativ lassen sich Katzenpflanzen auch aus Samen ziehen – am besten in Lebensmittel-, Tierfutter- oder Bio-Qualität. Zum Anpflanzen sollte stets Erde verwendet werden, die auch für Küchenkräuter geeignet ist. 

Katzenminze
Die Katzenminze (Nepeta cataria), auch Katzenmelisse oder Katzenkraut genannt, ist in den meisten Gärtnereien erhältlich. Die Staude hat es gerne sonnig und kann auch in den Garten gepflanzt werden. Sie ist eine gute Nektarpflanze für Insekten. Bei nervösen Katzen wurde eine entspannende Wirkung beobachtet, aktive Katzen können von der Minze zum Spielen animiert werden. Zum Spielen: Trockene Blätter und Blüten und ein paar Weizenkörner in ein Säckchen packen. Durch das Reiben mit den Körnern entweicht aus dem Sack ein intensiver Duft und ihr Rascheln animiert zum Spielen.

Katzengras
Unter dem Namen «Katzengras» werden verschiedene Pflanzen – überwiegend Gräser, aber auch Zimmerbambus-Arten wie Pogonatherum paniceum oder Süssgräser wie Weizenkeimgras (Triticum aestivum), Roggen (Secale cereale) oder Hafer (Avena sativa) – angeboten. Im Handel steht aber als Katzengras zumeist das Zyperngras (Cyperus zumula) zum Verkauf. Die pflegeleichte Zimmerpflanze kann den Sommer durch auf dem Balkon gehalten werden. Substrat und Topfballen der tropischen Sumpfpflanze sollten stets feucht gehalten werden. Es empfiehlt sich, gleich zwei bis drei Katzengras-Töpfe auf einmal zu bewirtschaften. Auf diese Weise kann sich das leckere Grün schneller erholen. 

Baldrian
Baldrian (Valeriana officinalis) gilt als beliebte Duftpflanze für Katzen – wobei hauptsächlich die Wurzeln für Aufregung sorgen. Gemäss einer Untersuchung mit verschiedenen Gewächsen war Baldrian der absolute Hit. So buddelten die Katzen Teile der Wurzeln frei und wälzten sich in der Umgebungserde. Der frisch ausgegrabene Wurzelstock kann gewaschen und während zwei Stunden im Backofen bei 40 Grad getrocknet werden, um die leicht flüchtigen Stoffe zu erhalten. Frisch aus der Erde gezogen ist die Wurzel für Menschen geruchlos und erst beim Trocknen entsteht durch die Isovaleriansäuren der typische Geruch. Laut Andy Wyss von der Wyss Samen und Pflanzen AG gedeiht die mehrjährige Staude an einem sonnigen bis halbschattigen Ort. Baldrian lässt sich aus Samen ziehen oder als Pflanze kaufen. Vermehren kann man ihn durch Samen oder Teilung einer Pflanze.

Grünlilie
Die in Afrika beheimatete Grünlilie (Chlorophytum comosum) mit grünweissen bis grüngelben Streifen ist eine anspruchslose (nicht winterharte) Zimmerpflanze, die sich mit ihren herabhängenden Blättern auch gut als Hängepflanze eignet. Weil auch das Büsi an der Knabberpflanze seine Freude hat, sollte der Topf gut befestigt werden. Im Sommer kann die Grünlilie auch nach draussen gestellt werden – allerdings nicht in die pralle Sonne. 

Autor

Andrea Trueb

Andrea Trueb

Andrea Trueb hat die Diplomausbildung Journalismus am MAZ in Luzern absolviert und die letzten zwanzig Jahre auf verschiedenen Redaktionen gearbeitet. Ihr Privatleben teilt sie unter anderem mit Sittichen und Katzen.

Kommentare (0)