Was tun bei Katzen-Akne?

Katze mit Pickel am Kinn
Hautporbleme
Auch Katzen können Mitesser und Pickel haben – am häufigsten am Kinn. An den betreffenden Stellen herumkratzen sollte man besser nicht.

Winzige schwarze Krümel unterhalb des Schnäuzchens treten bei vielen Katzen immer mal wieder auf. So manch ein Katzenhalter kratzt diese erst einmal mit dem Fingernagel weg. Laut der Veterinärdermatologin Sylvie Wilhelm von der VET Dermatology GmbH in Zürich ist das aber keine gute Idee. Die Stellen könnten sich daraufhin nämlich entzünden. «In der Folge entstehen gerötete Pickel. Breitet sich die Entzündung aus, kommt es zu einer deutlichen Hautrötung mit diversen Krusten, einer Schwellung und unter den Krusten nässt sowie eitert die Haut.» Im schlimmsten Fall könnten die dortigen Haare ausfallen und richtige Furunkel entstehen.

Dabei handelt es sich bei den schwarzen Punkten zuerst einmal nur um ungefährliche Mitesser, sogenannte Komedone. Das sind dunkle Pfropfen, welche die Talgdrüsen verstopfen. Entzünden sich diese aufgrund von Bakterien, entstehen Pickel. Hat die Katze viele solcher Mitesser oder Pickel, leidet sie unter Katzen-Akne. «Bei dieser meist harmlosen Hauterkrankung entstehen Mitesser oder Pickel an talgdrüsenreichen Körperregionen», erklärt Wilhelm, welche als Belegtierärztin an Kliniken in Feusisberg SZ, Herisau AR, Liestal BL, Pfungen SZ und Stäfa ZH arbeitet.
 ypischerweise begännen die Veränderungen am Kinn. «Teilweise kann sich die Erkrankung aber auch auf die Unterlippe und in seltenen Fällen auf die Oberlippe ausbreiten.» 

Nicht auf eigene Faust behandeln
Wie auch beim Menschen sehen diese Pickel nicht gerade hübsch aus und sind schwer zu bekämpfen – vor allem weil die Ursache unbekannt ist. «Als Auslöser werden eine Veranlagung zur Schuppenbildung, abnorme Talgproduktion, Stress, Haarzyklusstörungen und schlechte Fellpflege diskutiert», sagt die Hautexpertin. Da manchmal bei mehreren zusammenlebenden Katzen Akne ausbricht, stehen auch Viren unter Verdacht. «Aber auch hier konnte bisher weder ein Herpes- noch ein Calicivirus nachgewiesen werden.» Eine effiziente Vorbeugung ist daher unmöglich.

Für störend oder schmerzhaft hält Wilhelm die Katzen-Akne erst einmal nicht. Sofern nur Komedone vorhanden seien und die Katze keine Symptome zeige, bräuchten diese noch nicht einmal behandelt werden. Verschiedene Wirkstoffe wie Benzoylperoxid, Schwefel-Salicylsäure oder Ethyllaktat könnten die Mitesser reduzieren. Dennoch rät die Expertin von deren Gebrauch auf eigene Faust ab: «Bei einigen Katzen führen diese zu Irritationen oder gar zu einer Kontaktdermatitis.»

Sobald sich das Kinn entzündet, rät Wilhelm dazu, vom Tierarzt abklären zu lassen, welche Erreger vorliegen. «Nur dann können diese auch gezielt behandelt werden.» Meist erkenne der Tierarzt eine Katzen-Akne auf den ersten Blick. Bei einer leichten bakteriellen Infektion reiche dann eine äusserliche Therapie mit Desinfektion und Salben. 

Desinfektion und ein flacher Napf
Für Katzen, deren Pickel sich häufig entzünden, hat Wilhelm einen Tipp: «Die betroffene Stelle kann regelmässig mit einem desinfizierenden Pad abgetupft werden.» Doch Vorsicht: Eine zu intensive Reinigung der betroffenen Stellen kann das Risiko einer Sekundärinfektion erhöhen. Ein flacher Fressnapf hilft zusätzlich, die Kinnregion sauber zu halten. Dies ist wichtig, weil bei jeder Entzündung ein Teufelskreis eintreten kann: «Sobald sich die Akne entzündet, kratzen sich die Katzen oder reiben sich das Kinn an Gegenständen.» Dadurch könne es zu tieferen Entzündungen kommen, die nicht nur schmerzhaft, sondern zudem diagnostisch auch aufwendiger seien. «Bei einer starken Entzündung muss mittels einer zytologischen Probe geklärt werden, ob es sich um Bakterien oder Hefen handelt.»

Um auszuschliessen, dass ein Befall mit Milben (Demodikose) oder eine zusätzliche Pilzinfektion vorliegt, bedürfe es in seltenen Fällen weiterer Tests wie Hautgeschabsel oder Pilzkultur. «Eine tiefe bakterielle Infektion muss über etwa vier Wochen mit einem Antibiotikum behandelt werden.» Parallel dazu würde der Kinnbereich geschoren, damit er gut desinfiziert werden könne. «Erst nachdem der Tierarzt mikroskopisch kontrolliert hat, dass auch wirklich keine bakterielle Infektion mehr vorliegt, kann das Antibiotikum abgesetzt werden.»

Zum Glück gehen die schwarzen Mitesser oft ganz von allein weg. Selbst eine stärkere Akne bessert sich nach der Behandlung. In beiden Fällen ist die Genesung jedoch meist nur vorübergehend, sagt Wilhelm. «Obwohl bei einzelnen Katzen nach einem Schub die Akne nie mehr zurückkommt, handelt es sich bei der grossen Mehrheit um eine lebenslang bestehende Veränderung, die bezüglich des Schweregrads immer wieder mal schwanken kann.»

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